Kampala, Uganda 17.11.16 / 26.11.16 / 27.11.16 / 04.12.16 / 18.12.16 / 11.01.2017

Kampala, bis zur Abreise am 11.01.2017

Es ist nun fast ein Monat seit meinem letzten Blogeintrag vergangen. Ich habe Kampala gestern mit dem Flieger via Nairobi verlassen. Zwischenstopp in Johannesburg bevor es heute Abend weiter nach Sydney geht.

Weihnachten im Rainbow House of Hope
Es ist der 22. Dezember. Weihnachtsfeier für alle Rainbow Kids und wer gerade des Weges kommt. Es beginnt mit einem Fußballspiel auf dem nahe gelegenen Bolzplatz: Staffmembers gegen die hauseigene Fußballmannschaft. Trotzdem die Staffmembers den besseren Fußball spielen verlieren sie. Wegen mir, ihrem Mann im Tor. Und wieder bewahrheitet sich schmerzlich meine früh gemachte Erfahrung als Torhüter: er ist nie für den Sieg verantwortlich, allenfalls hat er ein Unentschieden gerettet. Aber er ist es immer, der die Schuld trägt, wenn die Mannschaft verliert.

Links die Staffmember Mann- und Frauschaft, rechts die Profis
À la Neuer!

Das große Fest mit Weihnachtsgebläs, unanständigen Tänzen, Spieleinlagen und biblischer Verköstigung aller hat um 15Uhr begonnen.

Seit Anfang Dezember hatte die Rainbow Brassband allnachmittäglich ihre Christmas Music geprobt.

Rainbow House Christmas Dance

Und dann gab es noch ein Wettessen ohne Nachteilsausgleich, eine unfreiwillige Belustigung durch Männer in Frauenkleider und dann durften die Kleinen noch ran.

Früh übt sich…

Ich habe das Krippenspiel nicht vermisst, etwas Weihrauch hätte mir gefallen. Aber das hole ich bei Bedarf aus meinem Nessessär http://www.ausliebezumduft.de/les-liquides-imaginaires-sancti-eau-dela.html

Passt zu Weihachten: Der BodaBoda Fahrer, der darüber Bescheid weiß, dass in Europa immer weniger Menschen in die Kirche gehen, ist nicht der einzige in Kampala, der sich deshalb, im überwiegend irgendwie gläubigen Uganda vom christlich missionarischen Eifer der europäischen Kolonialisten hintergangen fühlt.

An den Ufern des Nile Rivers
Micheal, der Leiter des Rainbow House war so nett und hat mit Susann (ist am 23.12. in Entebbe eingeflogen) und mir einen wunderbaren  Tagesausflug von Kampala nach Jinja unternommen, to the „Source of the Nile. Weil ich immer wieder verwundert bin, wie sich all die Völker, die sich einen Fluss teilen, auf einen gemeinsamen Flussnamen einigen, hier Micheals Nil-Geschichte. Es soll sich wie folgt zugetragen haben: Als die Missionare das erste Mal Jinja beglückten, wollten sie von den Einheimischen wissen, wie sie denn diesen Fluss nennen, bekamen sie zur „nile“ zur Antwort, was in der Sprache der Einheimischen, dem Lusoga nichts weiter als „wissen wir nicht“ bedeutet.

Auf Micheals rechter Seite ist es noch der Viktoria See, auf seiner Linken bereits der Nil. Nix Quelle und langsam wird das feine Säuseln der Querflöte zur gemächlich dahinsmetanadernden Moldau.
Mein Freund im Gegenlicht, vor den Karuma Nilfällen.

Tage am Lake Bunyonyi mit Susann, unserem Fahrer Fred und Silvester
Susann hatte sich in Frankfurt wegen einer 1wöchigen Tour mit Fahrer durch Uganda schlau gemacht. Ich in einem Reisebüro in Kampala. Beide gaben erstaunlicherweise ein ähnliches Angebot zu den gleichen astronomischen Preisen ab: 2400€ pro Person. Mit Hilfe von Micheal, der uns einen Fahrer mit SUV besorgt hat und einer Online Buchung im Lake Bunyonyi Safari Resort sind wir dann doch etwas günstiger weggekommen und haben an einheimische Hoteliers und den Fred, unseren Fahrer bezahlt.  Jeder 500€ 🙂

Am Equator

Fred hat uns sicher überall hingebracht. Auch über den Equator. Bei gemeinsamen Abendessen hat er uns viel über sein Leben und Leiden in Uganda erzählt.

Das Gebiet um den „Lake Bunyonyi“ gilt als die Schweiz Afrikas. Nahe zur ruandischen Grenze gelegen, ist der „See der Vögel“ der einzige in Uganda, den man bedenkenlos beschwimmen kann: keine Krokodile, keine Bilharziose.
Ich verzichte auf die Postkartenansichten, die ich zwar auch gemacht habe, die man zum Lake Bunyonyi aber auch im Netz findet.

Unser Lake Bunyonyi Safari Resort mit Sauna und spärlich besetztem Haus. Wir haben uns freundlich und zuvorkommend umsorgt gefühlt.
Unser erster Sieben-Inseln-Ausflug auf dem See. Das ist die „Punishment Island“. Hier hat man noch bis ins 1900 Jahrhundert junge Frauen ausgesetzt, die unverheiratet schwanger geworden waren. Nicht unweit gibt es einen Wasserfall, wo mit schwangeren unverheirateten Mädchen ähnlich grausam verfahren wurde: einer ihrer Brüder musste sie den Wasserfall hinunter stoßen.
Auf der „Bwama Island“ hat 1921 der schottische Missionar Leonard Sharp Leprakranke isoliert. Heute ist in den Gebäuden eine Schule untergebracht. Wir befinden uns im ehemaligen Forschungslabor des Missionars, der heute den Naturwissenschaften dient.
Einmal Luft holen – tief einsaugen – Jasminduft – und langsam wieder ausströmen lassen. Auf dem Weg zwischen unserer Datscha und dem Haupttrackt der Hotelanlage.
Patrice ist der Vogelkundler auf unserer Bird Watch Tour. Beginnt dieses Jahr in Kampala Deutsch zu studieren, weil er viele Deutsche führt.
Stellvertretend für all die vielen anderen wunderschönen Vögel: der Kingfisher.
Unsere letzte Exkursion zum „Herbal Man“, vorbei an einer Leichenschmausfestivität oben in den Bergen,…
…an Kindern, die unbedingt fotografiert werden wollten.
Nach einstündiger Wanderung landen wir schließlich bei der Hütte des Heilers. Leider ist er nicht da, aber wir werden freundlich von dieser jungen Dame begrüßt.

Der „Hebal Man“ hat an diesem Tag nichts an uns verdient und wir nichts von ihm gelernt.  Aber die junge Dame hat Lob und einige UGX für ihren Auftritt bekommen. 

Susann und ich beschließen das Jahr 2016 am Lake Bunyonyi am „camp fire“ zusammen mit Fred, der Eigentümerin des Hotels Charlotte und ihrem Freund.

Keine Böller, kein Feuerwerk. Just a „Happy New Year!“

 

Ausstellungseröffnung „Bad Bags/Good Bags – All around the World“

Wer sich für Details interessiert, für den gibt es auf WordPress die „Bad Bags/Good Bags“ unter dem Link: http://wanzke.dasbyro.de/
An dieser Stelle nur der Zeitungsartikel im „Kampala Observer“.

Ich habe Andrew Kaggwa eingeladen, die Hängung der Ausstellung zu übernehmen. Wir haben das gut hinbekommen.

The Wedding
Moses, einer der Rainbow House Staff Members hatte mich zur Hochzeit seiner Schwester eingeladen. Der traditionelle Teil des Heiratens findet für gewöhnlich am Geburtsort der Pride statt, was mir weitere Übernachtungen im wunderbaren Fort Coleb in Mbarara bescherte.

In der Hütte des früheren Prime Minister in den Jahren von 1937-1946 des Ankole Königreiches. Heute gehört der Rundbau zum Hotel „Fort Coleb“.
Buschküche: 1000 Gäste wollen bekocht sein.
Noch sind die brodelnden Töpfe bis zum Rand gefüllt.
Verwandte und alle Dorfbewohner sind willkommen.
Die Zeremonienmeisterinnen.
Zwei Stunden Unterhaltungsprogramm bevor die Braut erscheint.
Da ist sie. Links neben ihr am Rand, ihre Mutter.
Überschwängliche Freude: Braut und Bräutigam haben vermittelt durch die angehörigen Familienclans zusammengefunden.
Kurz vor Ende des Hochzeitsfestes: die Braut hat den einzigen Muzungu unter ihren Gästen entdeckt.
Nach einem unglaublichen Hochzeitserlebnis und einer langen Autofahrt sind wir (hier im Bilde Christine, die Finanzchefin des Rainbow Houses) wieder wohlbehalten (Dank Micheal) wieder in Kampala gelandet.

Und bevor das ugandische Bilderrauschen völlig verstummt, noch einige Bilder ohne Fotos.

Tödliches Bettgestell
Mein Internetcafe/Restaurant liegt nur 5 Minuten Fußweg von meiner Wohnung. Auf dem Weg dorthin, es ist bereits dunkel, begegnet mir ein Boda Boda Fahrer, der quer auf seinen Gepäckträger und Soziussitz geschnallt, ein metallenes, hübsch hellblau angestrichenes Bettgestell, transportiert. Zu sehen ist der Wahnsinnige und seine links und rechts die Breite seines Mopeds weit überragende Ladung nur, wenn er von den Scheinwerfern der entgegenkommenden oder hinterherfahrenden Fahrzeuge angestrahlt wird. Auch hier gehörten solche Arschlöcher für solcherlei lebensgefährdende Blödheiten ordentlich abgewatscht.

Cockroaches
Trinke ich abends ein Bier, so scheint mein Körper dieses fast vollständig zu Nährstoffen zu verarbeiten. Bei Wein ist es fast immer so, dass es einen nächtlichen Toilettengang erfordert. Licht im Bad anschalten, Tür zum Bad öffnen und dann hockt da in Schreckensstarre gebannt ein 6-7cm großer, pechschwarzer Fleck, zwei ebenso lange zitternde Fühler in das grelle Licht gestreckt. Der Eindringling bin ich. Tagsüber hält sich die Kakerlake dezent zurück. Es beginnt eine Jagd durchs Badezimmer, ich, ausgestattet mit einem Abflussstampfer, hinter der panisch umher sausenden Kakerlake her. Keine Chance, kein Entkommen, zumindest in dieser Nacht nicht. Sie ist arrestiert unter der Gummiglocke. Weil die Nacht noch lange ist, befördere ich sie mit Hilfe eines laminierten, unter den Abflussstampfer gezogenen Blattes nach draußen. Dann ist erst mal Ruhe.

 

Mann mit Zigarette
Auf meinem Nachhauseweg vom Rainbow House kommt mir der erste und bisher einzige Mann entgegen, der eine Zigarette raucht. Ich durchsteche dessen Rauchwolke gemessenen Schrittes und frage mich, wie es den Menschen hier möglich war, sich diesem tödlichen Genuss standhaft zu widersetzen. In der Tat gibt es keine öffentliche Zigarettenwerbung, weder auf Plakaten, noch im Fernsehen. Micheal sagt, man würde schräg angeschaut werden, wenn man im Restaurant oder auf der Straße rauchen würde. Schulkinder, die beim Rauchen erwischt werden, müssten mit drakonischen (Schulverweis etc.) Strafen rechnen.

 

Fußfessel
Ziegen, Hähne und Hühner laufen in den Armenvierteln hier ja frei herum. Nun scheint es doch einige Tiere zu geben, die gerne mal das Weite suchen. Zur Abhilfe wird dem Huhn dann eine etwa ein Meter lange Schnur mit einem mittelschweren Stein ans Bein gebunden. Futter aus dem roten Sandboden pickend, schleift das Huhn den Stein in gehörigem Abstand hinter sich her.

Uganda rangiert auf Platz 4 der ärmsten Länder dieser Welt. Ich möchte nicht zynisch klingen, aber ich habe großen Respekt vor der Würde, dem Stolz und der Lebensfreude mit der die Menschen in Uganda ihr Leben meistern. Hut ab!

Das letzte Mal Heimgehen vom Rainbow House – ein Huhn kommt mir auf der staubigen Lehmstraße entgegen gelaufen. Auch das, ein für längere Zeit letzter Augenblick.

Tschüss Kampala, Dank für das freudige Leben, den Begegnungen und die Einblicke, die Du mir gestattet hast.

 

Kampala, 18.12.16 – „Bilder ohne Fotos“ und Fotoimpressionen

Kennt ja jedEr vom Reisen. Man läuft so durch die Straßen, fährt durch Landschaften und hat den Fotoapparat (Smartphone) zwar dabei, aber nicht immer am Auge. Und schon ist’s passiert: ein so verdammt toller, fotogener, skurriler oder auch grauseliger Augenblick – zu spät! Der körperliche Reflex, der vergebliche, schon mit dem Bedauern des „zu spät“ vermengte Impuls hat das Bild aber gesichert, eingeschrieben in den Kortex (Hippocampus hätte mir besser gefallen, aber neuere Forschungsergebnisse…). Einigen dieser eingeschriebenen Bildern widme ich unter dem Titel „Bilder ohne Foto“ Teile des heutigen Blogs.

Chicken
Ich sitze auf einem Boda Boda, wir stehen an einer Kreuzung im Stadtgebiet von Kampala. Es fährt ein Kleinbustaxi vorbei, dessen gesamte Dachfläche mit dicht an dicht sitzenden Hühnern bedeckt ist, wie eine flauschige Dachkappe. Ich meine eine Vertiefung, eine Mulde im Dach entdeckt zu haben, die den Hühnern beim Bremsen des Fahrzeugs Halt gibt. Aber ich glaube das habe ich mir nur eingebildet. Die Kleinbustaxis haben keine Hühnertransport-Dachmulde.

Bycyle
Nun mit den verschiedenen „extended bycyle functions“ könnte man einen ganzen Bildband füllen. Es wird so ziemlich alles damit transportiert – Gemüse, Holzplatten, Eisenstangen, Personen. Auf meinem Weg ins Rainbow House kommt mir ein Fahrradfahrer entgegen, der an der Stelle seiner Fahrradlampe vorne eine große gelb gerahmte Waage vor sich herfährt. Ich vermute Firmenschild und zentrales Arbeitswerkzeug in einem.

Handicapped
Mit Micheal im Auto unterwegs in Kampala. In der Nähe des „Independence Monument“ schleift eine Frau, gestützt auf ihre Arme, ihren gelähmten Unterkörper zwischen den ganzen Fahrzeugen hindurch von der einen, staubigen Straßenseite zur anderen.

Wheel Barrow
Über die Schwierigkeit für Dinge, die es in Deutschland nicht gibt, Worte der Beschreibung zu finden: Also er schob eine Art Schubkarre vor sich her, mit einem Holzrad vorne, mittig und einer hölzernen Transportschale, die weil gezimmert, eine eckige Form und Vertiefung hatte. Anstelle der uns bekannten Schubkarrenholme wird dieses Modell an einem rechteckig, die beiden Außenseiten verbindenden Holzbügel vorwärts geschoben. In dieser Holzkiste hatte sein Eigner mundgerecht zubereitete Wassermelonenstücke drapiert, darunter geschichtet, zu Morgensternen aufgeschnittene Mango-Hälften. Das war sein Angebot des Tages. Nicht mehr nicht weniger. Und damit hat er sich in der anbrechenden Dämmerung frohen Mutes auf den Weg gemacht, diese Obst möglichst gewinnbringenden unter die Leute zu bringen.

Stop or Go
Das Rainbow House of Hope sucht derzeit nach einem Stück Land außerhalb Kampalas. Die städtische Baubehörde und die Baurechtliche Abteilung sind sich einig, dass viele der innenstadtnahen Slumgebiete in naher Zukunft platt gemacht werden sollen, um dort lukrativen Baugrund für Investoren zu schaffen. Der jetzige Standort des Rainbow House ist davon ebenso betroffen, ungeachtet der Tatsache, dass es sich bei dem Gebäude um einen ordentlichen Steinbau mit Büroräumen und Toiletten handelt.
Wir waren mit der Besichtigung eines weiteren Landstückes ca. 30km außerhalb fertig und waren von dem Feldweg gerade wieder auf die asphaltierte Landstraße eingebogen. Nach kurzer Fahrt brechen die Gespräche im Wagen zwischen Moses, Micheal, dem Landverkäufer und mir abrupt ab. Auf unserer Spur, vom unbefestigten Rand in Richtung Straßenmitte, liegt in Sichtweite ein Menschenkörper auf der Straße. Moses verlangsamt das Tempo, die Straße ist wenig befahren, links und rechts der Straße stehen Häuser – es ist ein Mann der da bäuchlings auf dem Boden liegt und zitternd einen Arm nach oben streckt und als wir langsam mit dem Wagen an ihm vorbeigleiten, sehe ich, dass aus seinem Mund Blut fließt. Die anderen wiegeln ab, epileptischer Anfall und ich sage, er blutet aus dem Mund und vermutlich hat jeder eine Geschichte bereit, weshalb man besser keine Hilfestellung leistet. Beim Vorbeifahren hatte ich im Augenwinkel eine Frau wahrgenommen, die, aus einem der Häuser auf der gegenüberliegenden Seite in Richtung des Mannes unterwegs war. Damit habe ich mich dann – beruhigt.

Mitmenschlichkeit
Auf meinem Nachhauseweg läuft ein kleines Mädchen, vielleicht 9 oder 10 Jahre alt, vor mir her. Mit ihrer rechten Hand schleift sie einen Pappkarton hinter sich her und ich folge ihr, gespannt darauf wartend, wann endlich eines der im Karton befindlichen Plastikschälchen (Tupperware) heraus fallen würde. Meiner beiläufigen Aufmerksamkeit war dabei völlig entgangen, dass diese Kleine ein Baby auf ihren Rücken geschnallt, mit sich trug. Aus Selbstschutz neigt der wohl Saturierte hier gerne zum beiläufiges Schauen. So musste auch ich mir mein emphatisches Gefühl erst „erarbeiten“ und habe mich der Kleinen als Träger ihres Kartons angeboten, was sie mit einem breiten Lachen gerne angenommen hat. Wir liefen noch einige Meter gemeinsam, ich den Karton in der Hand, sie ihre kleines Geschwister auf dem Rücken. Dann war sie auch schon daheim angekommen.

Ich werde die Reihe „Bilder ohne Fotos“ fortsetzen. Gerne sind alle meine geschätzen Blogleser aufgerufen, basierend auf meinen Beschreibungen Zeichnungen anzufertigen und mir diese als Kommentar zuzusenden. Falls das möglich ist. Sonst gerne auch als Mail.

Nachgereicht: Dieses Logo hat mir Stephan von Borstel mit auf meinen Reiseweg gegeben. Es ziert meine beiden Samsonite Four Wheel Rollkoffer und verdeckt das Apple Logo meines mobilen MacBook Pro.
Der erste in Uganda in Handarbeit hergestellte „Ulmer Hocker“ gehört mir.
Mobiler Scheren- und Messerschleifdienst, was ich aus meinen Kindertagen auch noch erinnere.
Die Weihnachtskarte des Rainbow House of Hope.
Einige der Rainbow House Weihnachtsmänner und Frauen v.l.n.r Micheal, ich, Christine und Kevin.
Hier in der Booth No.5 im „New Nsambya Art Craft Centre“ wird das Rainbow House am 05. 01.2017 ihren neuen Shop mit meiner Ausstellung „Bad Bags/Good Bags – All around the World“ eröffnen. Andrew Kaggwa, er wird die Eröffnungsrede halten,  inspiziert die Örtlichkeit.
Gestern bei der Verleihung Bayimba Honours. Das erste Konzert von Geoffrey Oryema in Uganda, der 1977 aus dem Idi Amin beherrschten Uganda nach Frankreich ausgewandert (geflohen) war. Und ich war dabei! Für die anwesenden musikinteressierten Ugander fühlte es sich bei mir an wie der Mauerfall, allerdings nach beinahe 40 Jahren.

Da dies vermutlich der letzte Blogeintrag vor Weihnachten ist, wünsche ich auf diesem Wege allen meinen Blogleserinnen und Lesern frohe Festtage und einen glückenden Start in 2017.

Bis dahin!

Kampala, 04.12.16 –  Ernst May und Christmasmarket beim Deutschen Botschafter

Der heutige Blogeintrag widmet sich u.a. einer Entdeckung, die mich ganz aufgeregt gemacht hat. „Unser“ Frankfurter Ernst May, der Erbauer des „Neuen Frankfurt“ hat das Uganda Museum in Kampala gebaut. Ich lese das und bin „baff“. Irgendwie zieht mich die Generation meiner Großväter in ihren Bann: Paul Hindemith, dem Namenspatron meiner Schule dessen Leben und Werk ich ja nun schon seit bald 10 Jahren nachspüre und nun Ernst May. Die im Gallus gelegene Hellerhofsiedlung befindet sich in unmittelbarer Nähe zur Paul-Hindemith-Schule.

Bei meiner Recherche nach May und Kampala stoße ich auf einen höchst aufschlussreichen Aufsatz von Kai K. Gutschow „Das Neue Afrika: Ernst May’s 1947 Kampala Plan as Cultural Program“ aus dem Jahre 2009. https://www.andrew.cmu.edu/user/gutschow/materials/03e%20May.pdf
Die gebaute Wirklichkeit des Uganda Museums sieht dann so aus:

Das Uganda Museum in Kampalas City. Es gab Bestrebungen das Gebäude abzureißen und den zentralen Standort lukrativ zu vermarkten.
Ein Hauch der 50er.
Architektonisch wohl vorbereitete Lichteinfallflanken…
…und so siehts dann drinnen aus.
Interessanter als der Anbau, die Fahrzeuge unter dem Bretterdach: Staatskarossen aus Idi Amins Zeiten ein Mercedes 600 ein Rolls Royce.

 

Zu Gast beim Deutschen Botschafter in Uganda

Seine Exzellenz der Deutscher Botschafter, Dr. Peter Blomeyer, hatte zum „German Christmasmarket“ eingeladen und alle waren sie gekommen. Natürlich nicht alle – man musste schon im Besitz eine SUV sein. So schien es zumindest, als ich dort gegen 13 Uhr in der Residenz des Botschafters mit meinem Boda Boda Fahrer angelandet war. Ein stattliches Anwesen, in den Hang gebaut mit herrschaftlichem Blick über Kampala.

Auf dem Gelände boten eine ganze Menge afrikanische Artscraft ihre „Weihnachtswaren“ feil und separiert davon, deutsche Weihnachtsmarktartikel: Adventskalender, Christstollen, Glühwein und Bratwurscht: weil das zu jeder Jahreszeit die deutsche Esskultur am treffendsten rüberbringt. Jedenfalls ist der Andrang zur Wurscht so riesig, dass ich, zwar schon im Besitz eines Bonmärkchens „Speisen“ , dieses wieder gegen Geld zurück tausche und auf Bratwurscht verzichte.

Der Hausherr beim Dokumentieren der gesamte Veranstaltung.

Hier geht es zur Facebook Seite der Deutschen Botschaft https://www.facebook.com/1417203495254730/photos/pb.1417203495254730.-2207520000.1481187430./1605537113088033/?type=3&theater

Das gemeinsame Singen deutscher und englischer Weihnachtslieder ist der Höhepunkt meines „German Christmasmarkets“.

 

Stille Nacht, Oh Tannenbaum, Joy to the world…

(Ganz Kampala liegt im Übrigen schon seit den Morgenstunden wieder im Stromkoma. Wer es sich leisten kann, verfügt über einen Dieselgenerator zur Erzeugung von Strom.)

Ich verlasse gegen 15Uhr die gut gelaunte Weihnachtsgesellschaft mit der festen Absicht, bei Martin, einem Berater in Sachen Agrarökonomie aus England, im Garten Volleyball zu spielen.

An Samstagen tummeln sich hier Expads und local people in Mannschaftsstärke. Der Sonntag scheint wichtigeren Dingen vorbehalten.

Leider findet sich außer mir nur noch Reinhold der Österreicher ein. Das reicht ja noch nicht einmal für ein Beachvolleyball Team und es bleibt beim Reden über die anstehende Präsidentenwahl in Austria, die Volksbefragung in Italien und meine „Bad Bags/Good Bags“ in Kampala.

Weitere Links:
Hier gehts zum Rainbow House of Hope Adventskalender http://adventskalender.rainbowhouse.info/index.php

Hier zu den kleinen Strolchen, die schon mal die Reise nach Deutschland proben

 

 

Kampala, 27.November 2016

Regnerischer Sonntag. Von Anfang an. Habe deshalb Harriets Einladung zum Segeln gar nicht erst weiter verfolgt.

Nachdem letzten Montag ganz Kampala den ganzen Tag ohne Strom auskommen musste, heute morgen wieder. Da ist es dann wichtig, dass man noch zu Stromzeiten seine Kommunikationsgeräte geladen hat. Aber ohne Strom leider auch kein kostenloses Internet in meinem Canlet Cafe neben der Amerikanischen Botschaft. Das ist im Übrigen die Adresse die ich angebe, wenn ich unterwegs bin und mit einem der BodaBoda Mopedtaxis nach Hause möchte. Uproad American Embassy.

Sonntag ist Waschtag. Handwäsche. Ich habe zwar das Angebot für Laundry, aber habe ich abgelehnt, weil ich ab und an gerne Wäsche knete und wringe.

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Ich bewohne einen Raum in diesem bungalowartigen Haus mit Abstandsflächen drum herum. NATO-Draht stellt freundlicherweise der Nachbar des nördlich angrenzenden Grundstücks zur Verfügung. Mir fehlt es hier an nichts. Fließendes Wasser, zwar nur kalt, aber wofür warmes Wasser um es dann bei dem schwülen Wetter eh nicht zu gebrauchen. Ein Kühlschrank, ein Gasherd, ein Schlafplatz mit Moskitonetz. Und reichlich Platz. Wenn der Strom ausfällt, dann geraten diese vermeintlichen Selbstverständlichkeiten ins Wanken. Die ja für weite Teile der hiesigen Bevölkerung alles andere als selbstverständlich sind. Dabei zählt Nsambya, das Viertel in dem sich das Rainbow House befindet, noch zu den besser versorgten. Einige Häuser haben fließendes Wasser, einige müssen sich das Wasser von einer Zapfstelle holen, wo ein Zwischenhändler abkassiert.

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Das hiesige Stromunternehmen ist seiner Stromlieferpflicht heute nur für kurze Zeit nicht nachgekommen. Meinem Lunchtime bei gleichzeitigem Datenabgleich mit der Welt stand also nichts mehr im Wege. Ich hatte die Rechnung allerdings ohne Ernst Bodenmüller gemacht. Der saß da bereits bei Tee und Muffins und richtete, noch bevor ich mich hingesetzt hatte, sein “Where you do come from?“ an mich. Forsch erwidere ich, wir könnten ruhig deutsch sprechen und dann reden wir deutsch, hauptsächlich er, das Reden ist seine Berufung und zwar im Auftrag der Katholischen Arbeiter Bewegung (KAB). Uns war beiden aufgefallen, wie viele Organisationen – kirchliche Träger, private Stiftungen sich hier, neben den offiziell für die „Entwicklungshilfe“ zuständigen NGO, tummeln. Diese staatlich bestellten Entwicklungshelfer würden ja vor Allen den jährlichen Mittelabfluss (Volker Seitz http://www.ipg-journal.de/kolumne/artikel/der-ausblutende-kontinent-942/) sichern und bewerkstelligen bei maximaler Ausschöpfung des gerade noch Akzeptablen ohne in Verschwendung auszuarten: die Büros in Gartenanlagen mit Springbrunnen, feinste Ausstattung, Dienstwagen der Oberklasse, Hauspersonal und nicht zu verachten, die satten Gehälter. Vermutlich auch so eine Art Schmerzensgeld, wegen der großen Entfernung zur geliebten Heimat (wobei den meisten „Ausländern“, denen ich hier begegnet bin, der Sinn nach Rückkehr ganz und gar abhanden gekommen ist).

Bodenmüller und seine KAB vertreten eine „University from the bottom“. Ein wie mir scheint, vernünftiger Ansatz. Der Hilfe zur Selbsthilfe und Selbstqualifikation, Entwicklung der vorhandenen Talente hin zu echten Skills.

In der Canlet Bar
In der Canlet Bar

 

Entebbe, 26.11.2016

Am Samstag war ich mit der Tanz- und Percussiongruppe Flavours des Rainbow House zum „Milege“ World Music Festival im Botanischen Garten in Entebbe gefahren. Die Hinfahrt war schon abenteuerlich. Die Rückfahrt in der Nacht war Achter- und Geisterbahnfahrt in Einem.

Mit starten mit vierstündiger Verspätung due to organizing a taxi
Wir starten mit vierstündiger Verspätung, due to organizing a proper taxi.
In diesen Wellblechkonstruktionen werden die Heuschrecken gefangen. Wie genau? I don´t know.
Mit Hilfe dieser Wellblechkonstruktionen werden die Heuschrecken gefangen. Wie genau? I don´t know. Anyhow – ein eiweißhaltiger Mittagssnack.
Wir haben die asphaltierte Hauptstrasse wegen Stau verlassen und schließen uns einem Hochzeitskonvoi an.
Wir haben die asphaltierte Hauptstrasse wegen Stau verlassen und schließen uns einem Hochzeitskonvoi an.
Ein spektakulärer Effekt: gekaufte Roller Skaters haben sich an die Hochzeitsfahrzeuge angedockt.
Ein spektakulärer Effekt: gekaufte Roller Skaters haben sich an die Hochzeitsfahrzeuge angedockt.
Das Festivalgelände im Botanischen Garten von Entebbe.
Das Festivalgelände im Botanischen Garten von Entebbe.
Schwarzseher und Hörer.
Wie überall: Schwarzseher und Hörer!
Eigentlich sollte ihr Auftritt um 17Uhr stattfinden. Jetzt hat man sie auf 21Uhr verlegt. But it´s a lovely place to just enjoy the day!
Eigentlich sollte ihr Auftritt um 17Uhr stattfinden. Jetzt hat man sie auf 21Uhr verlegt. But it´s a lovely place to just enjoy the day!
Das Programm startet folkloristisch. Ein Tanz, bei dem die Männer ihr Tanztalent unter Beweis stellen müssen. Sonst gibts kein Mädel!
Das Programm startet folkloristisch. Ein Tanz, bei dem die Männer ihr Tanztalent unter Beweis stellen müssen. Sonst gibts kein Mädel!
Und vor Mo Roots, noch eine Modenschau.
Und vor Mo Roots, noch eine Modenschau.
Mein persönlicher Favorit des Abends - die Sängerin und Saxofonistin Mo Rots mit Band Qwela https://soundcloud.com/moroots
Mein persönlicher Favorit des Abends – die Sängerin und Saxofonistin Mo Rots mit Band Qwela https://soundcloud.com/moroots

Leider waren dann alle meine Aufzeichnungsmedien platt: der Akku des Fotoapparates war leer, mein iPhone hatte keinen freien Speicher mehr. So habe ich leider keinerlei Dokumention über den gelungenen Auftritt der Rainbow House Flavours.

 

Frankfurt – Brüssel – Entebbe 17.11.2016 Aufbruch

Der Blechblasinstrumente Reparatur- und Pflegetisch
Der Blechblasinstrumente Reparatur- und Pflegetisch

Meine diesjährige Geburtstagstour hat einige Euro eingespielt (Spenden der FreundeInnen). Diese habe ich in Werkzeuge und Pflegemittel für die BrassBand des Rainbow House of Hope                   (http://www.rainbowhouse.info) eingetauscht.

Mit selbigen im Gepäck fliege ich am 17.11 von Frankfurt über Brüssel nach Entebbe, Uganda (ja, da war was: Idi Amin und  https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Entebbe) und bleibe dann bis Mitte Januar am Rainbow House. Werde dort ehrenamtlich die Kinder und Jugendlichen bespaßen, die Instrumente der Brassband auf Vordermann bringen, Weihnachstlieder einstudieren, den neuen BENGO Antrag helfen mit zu formulieren und mir natürlich auch Uganda ein wenig ansehen. Vor meiner Abreise werde ich hoffentlich 7 ugandische KünstlerInnen gefunden haben, deren arbeiten ich dann vor Ort im Rahmen meines Kunstprojektes „Bad Bags/Good Bags“ in Kampala ausstellen werde.

Reise nach Kampala

Mein Flug nach Entebbe am 17.11 geht über Brüssel. Egypt Air wäre zwar günstiger gewesen, aber als ich die Airline in Google eingebe, ist die erste Nachricht, dass man den Flugschreiber jetzt gefunden hätte und ich erinnere mich jenes mysteriösen Absturzes über dem Mittelmeer.

Mir reicht, dass meine Destination „Entebbe“ ausreichend schrökliche Erinnerungen bereit hält (https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Entebbe) und lege mich, in Brüssel angekommen in eine der Lounge-Liegen der Wartearea von T69, meinem Abfluggate. Es sind noch 2 Stunden bis zum Abflug. Ich bin einer der ersten der sich in Position bringt und die mittlerweile selbstverständliche Versorgung meines Smartphones mit Strom in Anspruch nehmend, verfolge ich noch etwas schlaftrunken die Ankunft der anderen Fluggäste. Neben mir hatte ein Herr mit Anzug in Begleitung seiner mondänen Frau Platz genommen. Er etwas untersetzt, sie groß, schlank und ziemlich androgyn. Er war längere Zeit telefonierend auf und ab gegangen, hatte sich gerade wieder niedergelassen als die beiden auffälligsten Herren der ganzen Szenerie auf ihn zu kamen und darum baten, ein Foto zu machen. Der eine, vermutlich ein Tuareg, klischeemäßig groß und kräftig gebaut in ein buntes, mehrschichtiges Stammesgewand gehüllt, der andere in einem nicht ganz gelungenem Outfit, einer Mischung aus stammesmäßig und europäisch. Und dann wird es seltsam: für gewöhnlich findet dann ja die Übergabe des Fotoapparates an den Befragten statt, der dann gebeten wird das Erinnerungsfoto zu schießen. Aber nein, der Herr im Anzug findet einen Bekannten, der mit seinem, also dem Smartphone des Herrn im Anzug ein Foto macht, wie er, der Herr im Anzug inmitten der beiden anderen posiert. Sie wechseln noch einige mir unverständliche Worte, weil französisch und trennen sich wieder.  Hmm?

Wir verlassen die Komfortzone.
Wir verlassen die Komfortzone.

Die nächtliche Ankunft in Entebbe: in diffuses künstliches Licht getaucht bietet sich mir ein funktionierender, aber irgendwie von den prächtigen Werbewelten vernachlässigter Airport. Ich erspare mir das fotografische Dokument meiner Ankunft in Uganda. Ich passiere die „Health“ Empfangsdamen, denen ich trotz fehlendem „Yellow Fever“ Dokument durch die Lappen gehe und auch die Damen und Herren an der Zollkontrolle durchleuchten mein Gepäck, übersehen geflissentlich die sieben Damentaschen, die beiden Posaunen und Blasinstrumente Reparaturwerkzeug und Pflegemittel für 1000€. Dann am Ausgang das freudig herzliche „Welcome to Uganda“ Micheals – ich bin angekommen.

Mein Einsatzort. Die ersten Tage.

Mein Einsatzort. Das Headquarter des Rainbow House of Hope.
Das Headquarter des Rainbow House of Hope.
Die Schneiderei mit 10 Kurzzeitlehrlingen.
Die Schneiderei mit 10 Kurzzeitlehrlingen.
Die plain air Schreinerei mit 4 Auszubildenden.
Die plain air Schreinerei mit 4 Auszubildenden.
Die Auszubildenden der Friseurausbildung mit bis zu 16 jungen Menschen.
Die Auszubildenden der Friseurausbildung mit bis zu 16 jungen Menschen.
Die Ergebnisse eines Entwurfsworkshop für das eigene T-Shirt werden präsentiert.
Die Ergebnisse eines Entwurfsworkshop für das eigene T-Shirt werden präsentiert.
Mein erstes Rotary Club Fundraising Dinner. es wurde viel geklatscht und es gab feine ugandische Küche u.a mit Grasshoopers.
Mein erstes Rotary Club Fundraising Dinner. Es wurde viel geklatscht und es gab feine ugandische Küche u.a mit Heuschrecken-Salat.