Vier Tage und drei Nächte in Yulara

Uluru! Jeden morgen zum Sonnenaufgang gegen 6:30h finden sich an den speziell eingerichteten Aussichtsplattformen Hunderte von „Rock“-Begeisterte ein.
Und ich hatte das Ganze mit Monduntergang Special.

Es war Panos, der Grieche, nein der Australier mit den griechischen Wurzeln auf der Straßenparty in der Abercrombie, der mir den Floh ins Ohr gesetzt hatte, ich müsse unbedingt einen dieser magischen Orte im Zentrum Australiens besuchen. Also mitten rein in die unerbittliche Wüstenei. Und seine Rede darüber bekam etwas Feierliches beinahe Entrücktes: die Stille dort und die flirrende Hitze im absoluten „nowhere“ Land. Ich hatte mich angeboten ihn dorthin zu begleiten, aber er hatte wohl andere Pläne und so musste ich alleine reisen. Im Gedächtnis waren mir Alice Springs und Ayers Rock hängen geblieben. Ich buche und lande in Yulara und es dauert eine ganze Zeit, bis mir die historischen Zusammenhänge zwischen dem kolonialen „Ayers Rock“ und dem „Uluru“ der Aborigines klar werden, ich gewahr werde, dass ich mich in ein „Yulara“ genanntes Resort eingekauft hatte, von wo aus der heilige Ort der Aborigines in perfekter und nachhaltiger Form vermarktet wird. Man ist der Resort-Infrastruktur völlig ausgeliefert: friss oder stirb or just forget about the money.

Ankommen in  Yulara und „Uluru“ sagen. Rote Erde wie in Kampala.
Der Theater- und Museumskomplex von Yulara mit angeschlossenem Einkaufszentrum und Sonnensegeln.
Nehme gerne alle unentgeltlichen Angebote mit. Im Museum erklärt uns ein Aborigines Ulurus geologische Geschichte.
Die Dormitory Gebäude des Yulara Outback Pioneer Lodge.
Mit diesen beiden italienischen Damen, Mutter und Tochter, habe ich mein Dormitory geteilt.
Ach ja und einem etwas nervigen Franzosen. Angehender Lehrer. Ich hoffe er überlegt es sich noch anders.
Einem Pool.
Einem tiefgekühltem Aufenthaltsraum mit Dauerfernsehen.

Das touristische Bereisen des roten Felsens hatte bereits in den 1950er Jahren begonnen. In den Schulen wurde dieses australische Naturwunder den Schülern als identitätsstiftende Abenteuerreise nahe gebracht und infolge wurden Schulklassen Bus weise dorthin gekarrt. Es gab zunächst keinerlei Infrastruktur und so hat man mehr oder weniger im Gelände rund um Ayers Rock wild kampiert. Das hat sich im Lauf der Jahre geändert und so hat sich über die Jahre ein äußerst lukrativer Tourismus entwickelt.

Ohne Seilsicherung mußten die Pioniere damals noch zum Lookout Point. Heute werden die Besteiger des Heiligen Berges gezählt. Sollte es sich unter touristischen Gesichtspunkten betrachtet um eine nicht relevante Anzahl handeln, wird das unheilige Besteigen dauerhaft untersagt.
Auch diese Wandmalereien der Aborigines, die Schultafeln der Belehrung der Jungen, haben unter dem unkontrollierten Tourismus gelitten. Das Schauen mit den Händen hat die eine oder andere Zeichnung verschwinden lassen.

1985 hatte die australische Regierung nach langjährigen Verhandlungen in einem feierlichen Akt das koloniale Erbstück „Ayers Rock“, eines der Wahrzeichen Australiens, an die spirituellen Eigentümer des Felsens, die Aborigines Australiens zurückgegeben. Seitdem heißt der rote Monolith wieder „Uluru“ und ist heilig (https://www.nzz.ch/panorama/alltagsgeschichten/als-der-ayers-rock-zum-uluru-wurde-1.18636564).
Leider waren die Aborigines diese Art des Umgangs mit ihrem angestammten Heiligtum, nämlich Geld damit zu verdienen, nicht gewohnt und so hat man, gerade gewonnen so zerronnen, das gesamte Gelände an die australische Regierung zurück vermietet, hat ein PPP (Public Private Partnership) Projekt daraus gemacht. In Zahlen sieht das heute dann so aus, dass 75% der Einnahmen aus der Vermarktung – mein Yulara Resort, die Fluggesellschaft und Busunternehmen eingeschlossen, an die australische Naturschutzbehörde fließen. Die restlichen 25% gehen an den örtlichen Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark. Von diesen 25% erhalten die Aborigines dann noch bescheidene 1,5% als Pachtzins für die Abtretung der kommerziellen Nutzungsrechte (die Matheaufgabe lautet dann: wieviel Prozent sind das von den 100% Einnahmen?).

Mittlerweile hat das örtliche Park-Management auch die anfangs noch mit zahlreichen Aborigines besetzten Jobs im Uluṟu-Kata-Tjuṯa-Nationalpark durch Personal mit „echten“ Zertifikaten ersetzt. Viele der Aborigines finden seitdem nur noch Arbeit im Gastro- und Hotelbereich auf Hilfskraftbasis.

James, einer der wenigen noch im Team des Nationalparks tätigen Aborigines und mein Guide am Uluru Felsen, plädiert für höhere Investitionen in die Schulbildung der Aborigines. Das sei die einzige Chance, ihre Lage zu verbessern.
Eine aus Uluru-Fels und Himmel geschaffene „James Turrell“-Installation.

Nachdem der Busfahrer zu meinem großen Ärgernis 5 Minuten vor der vereinbarten Zeit abgefahren war, hatte ich auf einmal wieder ganz viel Zeit, um mich weiter im „Uluru Cultural Center“ umzuschauen. Die Video-Dokumentation über Uluru, die Rückwandlung und Rückgabe von Ayers Rock an die Ananga, so heißen die Aborigines in dieser Gegend. Große Geschichte und wenn man sieht, mit geringer Wirkung für das tägliche Leben der Ananga. Hier im „Art Craft“ Verkaufsraum sitzen sie und malen die für ihre Kunst bekannten Muster auf Leinwand. Ich kaufe keine Kunst, dafür aber ein Heftchen. „Uluru Geschichten“auf deutsch und habe die Idee, mir für $10 einige original Farbkleckse der Ananga Frau auf den Umschlag des Heftchens machen zu lassen. Ich bitte den Ladenmanager um Vermittlung. Der vermittelt, aber die Dame lehnt ab. Wenn ich richtig verstanden habe, könne sie da nichts aus dem heiligen Kontext herausnehmen: es habe eben jede Linie, jeder Klecks und Punkt seine Bedeutung. Ich freue mich beinahe darüber, dass die Frau meine Einladung ablehnt. Es macht auf mich den Eindruck von tiefer Überzeugung und, „echte“ Haltung gefällt mir.

 

Der Essplatz mit Gastrozeile und Selbst-ist-der Koch-Küche.

Ich bin nach dem Einkauf in die öffentliche Küche, um die erstandenen Lebensmittel dort im Kühlschrank zu verstauen. Zuvor hatte ich mein Schreibzeugs auf einem der Tische unterm Sonnensegeltuch-Dach abgelegt. In der äußersten Ecke waren mir drei Wein trinkende Frauen bereits wegen ihres lauten und etwas ungehobelten Umgangstons aufgefallen. Die haben sich dann ganz frech und ungeniert zu mir an den Tisch gesetzt. Singend.

Saha und ihre älter Schwester
Sahas jüngere Schwester
Die Geschichte von Uluru. In Heimarbeit hergestellt von Saha und ein „Bad Bags/Good Bags“ Beitrag.

So und wie dieser Abend für mich weitergegangen ist und wie ich in den Besitz obigen Bildes gekommen bin, diese Geschichte erzähle ich jeder und jedem gerne, aber nur auf persönliche Nachfrage. Eine Verweigerung von ungehemmter öffentlicher Preisgabe von allem und mulitmedial. Das habe  ich mir bei den Aborigines abgeschaut.

Stattdessen bekommt ihr hier eine bereits durch Veröffentlichung „entweihte“ Geschichte der Ananga zu lesen.
Bei den Stämmen am Uluru erzählt man sich die Geschichte von Lungkata, der Blauzungen Eidechse, die vor Jahren vom Norden zum Uluru kam. Auf der Wanderung hatte sich Lungkata zu einem Spezialisten für das Abbrennen von Spinifex Graslandschaften entwickelt und vermittelte dieses Wissen den Menschen, die er auf seiner Wanderung traf.

Eines Tages war Lungkata beim Jagen, da entdeckte er Kalaya, den Emu, der sich schwer verletzt dahin schleppte. Lungkata zögerte nicht lange, attackierte den Emu, tötete ihn, zerlegte seine Beute und brachte sie zu seinem Lager. Dort entfachte er ein Feuer und begann die Teile zu kochen. Während er dies tat bekam er Gesellschaft. Die Pan-Pan-Palala Brüder, die den Emu durch ihre Speere verletzt hatten waren seiner Blutspur gefolgt.
„Hallo Lungkata“ riefen sie ihm zu. „Wir haben da einen Emu gejagt und auch getroffen. Seine Spuren führten uns zu Dir. Hast Du unsere Jagdbeute gesehen?“
Lungkata, der bei ihrem Kommen schnell das Fleisch versteckt hatte, tat erstaunt. „Hier ist kein Emu“ antwortete er. „Vielleicht ist er nach dort drüben gelaufen.“ Und dabei zeigte er in Richtung der Dünen.
Kaum waren die Brüder in diese Richtung weiter gegangen raffte Lungkata alles Fleisch in Eile zusammen und trug es in seine Höhle, die etwas erhöht an einer Felswand lag und die sich am Westrand des Uluru befand. In der Hektik seines Aufbruchs hatte er ein kleines Stück Emufleisch verloren.

Inzwischen hatten die in die Irre geleiteten Pan-Pan-Palala Brüder die Stelle entdeckt, wo Lungkata den Emu zerlegt hatte. Sie waren sehr erbost über seine Verlogenheit und wollten ihn an seiner Feuerstelle zur Rede stellen. Aber der hatte sich ja schon aus dem Staub gemacht. Sie folgten seiner Spur, fanden das verlorene Stück Emufleisch und gelangten schließlich zum Fuß der Felswand wo sich etwas erhöht seine Höhle befand.

„Lungkata“ riefen sie. „Wir wissen, dass Du da oben bist. Wirf uns unser Emufleisch herunter.“ Lungkata kroch noch tiefer in die Höhle und antwortete nicht. Das erboste die ohnehin schon wütenden Pan-Pan-Palala Männer noch mehr. Sie sammelten Holz und entfachten am Fuß des Felsens ein großes Feuer, dessen Rauch in die Höhle zog. Da dauerte es auch nicht lange und Lungkata kam hustend und nach Luft schnappend aus der Höhle. Dabei stolperte er, rutschte aus und begann den Felsen nach unten zu rollen. Das Feuer hatte aber den Felsen so sehr erhitzt, dass Fetzen der Haut des Eidechsenmannes am Gestein kleben blieben. So wurde der große und fette Eidechsenmann beim Hinunterrollen immer kleiner und kleiner. Und als er den Boden erreicht hatte verwandelte er sich in einen Stein.

Diesen Stein kann man noch heute an der Westseite des heiligen Berges sehen. Die Markierungen am Felsen sind die Rauchmale und die Fetzen seiner Haut.
http://www.traumzeit-legenden.de/173/tiere-traumzeit/legende-lungkata.html

 

Das ist das Kata Tjuta Gebirge. Mein zweites und letztes Sonnenaufgangsabenteuer. Meine Zeit in Yulara ist um. Back to Sydney.