Zurück in Sydney – im Zeichen von „Bad Bags/Good Bags – All around the World“, aber nicht nur.

Ein Radiobeitrag über Zeit, das Nichts und die Null des australischen Senders SBS hatte mich auf die Idee gebracht, dort einen Beitrag über die Frage zu initiieren, was denn passiert, wenn ich auf dem Opernplatz in Frankfurt damit beginne ein Loch in die Erde zu graben und nicht aufhöre zu graben, bis ich auf dem Vorplatz des „Sydney Opera Houses“ herauskomme. Leider habe ich nie eine Reaktion auf meine Anfrage bekommen, aber von meinem Freund Antonín (Mareš) aus München diesen Text als Kommentar auf „Ankommen in Sydney“.

Ein früherer Weltreisender, Mark Twain

„Als Jugendlicher, schon in Deutschland, stellte ich mir häufig folgende Situation vor:
Ein 5 Meter breites Loch im Boden.
Von Unterföhring bis nach Australien hindurch,
durchgehend hineinwärts.

Ich stehe am Rand, hüpfe mit den Füßen voran rein…
Zuerst beschleunige ich wahnsinnig,
die Erdanziehungskraft tut ihre Pflicht.

Am Mittelpunkt der Erde sause ich mit unheimlicher Geschwindigkeit vorbei,
mache akustische Sicherungsversuche – schreie, singe.
Und tatsächlich – ich höre nichts!

Also habe ich inzwischen die Überschallgeschwindigkeit erreicht.
Ich reise stürzend weiter, mit den Beinen voran.
Und dann wirkt erneut die Erdanziehungskraft…
meine Flugsturzgeschwindigkeit wird langsamer…

Und – am Ende meines Fluges durch die Erdkugel hindurch –
wartet bereits eine australische Wüstenlochsituation.

Am Lochrand steht ein Australier…
Und da bin ich schon, mit Beinen voran,
aus dem Loch gehüpft,
mache einen Salto,
lande sanft neben dem Australier und sage –

Howdy mate!“

Natalie posiert in den NautiStudios.

Ich hatte meine „Bad Bags/Good Bags“ Ausstellung auf Freitag den 17. Februar terminiert und die beteiligten KünstlerInnen und andere meiner Sydney Bekanntschaften gebeten, diesen Termin schon mal zu „saven“. Den Ausstellungsort hatte ich vor meinem Trip nach „Uluru“ in den „NautiStudios“ schon so gut wie klar gemacht. Sollte 200AU$ kosten und sie, Natalie, müsste das noch mit den Mitbetreibern der Ateliergemeinschaft klären. Dabei klang das so, als müsse sie denen halt Bescheid geben (might have been lost in translation). Dann lässt sie, Natalie, mich wissen, dass keiner an jenem Freitagabend Zeit hätte, den Hausmeister zu spielen. „Shit“ denke ich, jetzt wird’s eng, – ich komme Montag früh aus Uluru zurück und habe dann noch 3 Tage Zeit, um eine neue Location zu finden.

Das Wohnzimmer in meinem Roselands Airbnb.

Mein neues Airbnb Domizil ist bei einem Ehepaar aus Peking in ihrem Bungalow in Roselands. Der gemeinsam genutzte Wohnbereich könnte meine Kunstwerke und die „Bags“ gut aufnehmen. Leider erwarten die beiden frisch Vermählten noch weitere Gäste für das Wochenende. Bevor ich den nicht genutzten Carport meiner Gastgeber als möglichen Ausstellungsraum ernsthaft in Betracht ziehe will ich die Garage checken, die an meinem Sydney „Initiationsabend“ in der Abercrombie Road – „opposite of Panos house“ – weit offen gestanden hatte. Ich bin ohnehin mit Nichola zum Kaffee in der Abercrombie verabredet und klingle vorher am Garagenhaus. Niemand zu Hause. Ich hinterlasse eine Briefnachricht mit meiner Telefonnummer. Cyrus ruft mich noch am selben Tag zurück und bedauert, dass die Garage mit Sachen vollgepackt sei und Wände, um Bilder zu hängen, müsste man erst freischaufeln.

Georgia und Steve vor der Garage in der Abercrombie.

Hatte Philip von brainchild3D (er hatte das Scannen des „cut man“ für mich besorgt) nicht noch eine zweite „location“ erwähnt, die „Monster Mouse Studios“?
Es ist Dienstag und ich mache mich, an diesem bereits am Vormittag recht heißen Tag auf den Weg nach Marrickville. Vor Ort beginnt das Hausnummernsuchspiel. Und wie schon des Öfteren, es fehlt ausgerechnet die gesuchte Hausnummer. Ich gebe mich schon fast geschlagen, läute mich dann doch mit Erfolg in einem kunstverdächtigen Gebäude in eines der Büros im ersten Stockwerk und ein junger, freakiger Bursche weist mir den Weg zu den Studios. Ich lande an der Rückseite des Gebäudes, umrunde den Block und finde den verzäunten „main entrance“. Carissa und auch Jason, die beiden Künstler (sie Malerin, er Musiker), die die Raumverwaltung managen, zeigen mir den Ausstellungsraum, der gerade von einem der Künstler als Abstellraum genutzt wird, aber das ließe sich bis Freitag alles raus räumen. Wir werden uns was die Miete betrifft schnell und auf für mich äußerst erfreuliche Weise einig: pro Ausstellungsstunde 20AU$, macht für die geplanten 2 Stunden Vernissage 40AU$. Da bleiben dann gegenüber den „NautiStudios“ 160AU$ übrig, die ich gerne bereit bin in Getränke und Snacks zu investieren. Link zu WP „Bad Bags/Good Bags“ the Sydney Edition

Der Eingang zu den „Monster Mouse Studios“, eine frei finanzierte Ateliergemeinschaft.

Den nächsten und letzten Samstag in Sydney verbringe ich mit Crystal, der Landschaftsplaner-Studentin und ihrer Mutter. Ich hatte die beiden im Flieger nach Uluru kennen gelernt. Downtown Streifzug durch einige Galerien und zur „Lüneburger German Bakery (http://www.luneburger.com.au/) im Untergeschoß des Queen Victoria Buildings.

Die Galerie, wegen deren Vernissage einige meiner Eingeladenen nicht zu meiner gekommen waren.

 

Die Lüneburger Bakery.
Die beiden Hübschen aus Hong Kong. Crystal und ihre Mutter bei einer Brezel.

Ich hatte mich nicht all zu sehr um die viel beschworenen „geilen“ Strände Sydneys gekümmert. Einen Kurs in „Wellenreiten“ hatte ich wiederholt auf meinem Plan. Nun blieb mir dafür nur noch der Sonntag. Mein Flieger nach Kuching ging erst in den späten Abendstunden. Ich lade ein letztes Mal meine Sydney’s Public Transport OPAL Card und unternehme noch einen Tagesausflug an den Bondi Beach. Ich widerstehe nahezu widerstandslos der Versuchung, doch noch einen einstündigen Surfkurs zu belegen. Habe Angst vor blöden Verletzungen, -Surfbrett auf Kopf, Knöchel böse verstauchen- und so wird es nur eine Strandwanderung mit Sonnenbad im Duftkreis von Hammelbraten und Kindergeschrei.

Bondi Beach.

Ray (der englische Name meines chinesischen Gastgebers) hatte nichts dagegen, dass ich mein Gepäck den Tag über noch in meinem Zimmer in Roselands stehen lasse. Nach 4 Wochen Sydney rolle ich meine beiden Koffer mit den 7 „Bad Bags/Good Bags“, dem Rucksack und meinem Saxofon Silent Bag zum Sydney International Airport und verlasse Australien in Richtung Kuching, Malaysia mit Zwischenstopp in Kuala Lumpur. Es ist der letzte Flug ohne zusätzliche Gebühren für mein mittlerweile auf knapp 50kg angewachsenes Gepäck.